
Paris, 8. Oktober 2008/hn. Die andauernde europaweite Finanzkrise offenbart überraschende Auswirkungen auf nationaler Ebene. Politische Feinde werden zum gemeinsamen Handeln gezwungen. Kriselnde Parteien erleben einen neuen Aufschwung. Doch obwohl kein Land in Europa mit seinen Problemen alleine dasteht, bleibt gemeinsames Handeln weiterhin aus. Einen europäischen Rettungsplan für Europas Banken wird weiterhin von Deutschland abgelehnt.
Die jüngsten Erfahrungen aus den USA müssten uns eigentlich gelernt haben, dass es keinen Sinn hat, einzelne Banken nach und und nach zu retten. In Europa muss der Bankensektor unter Führung der Europäischen Union rekapitalisiert werden, damit das Chaos auf den Finanzmärkten ein Ende hat. Ernsthaften Schäden für die Realwirtschaft sind sonst unausweichlich. Die Krise führt dau, dass der Kreditmarkt austrocknet und Arbeitsplätze und Unternehmen in großem Stil vernichtet. In Europa wird gemeinsames Handeln von Deutschland blockiert, das nur seine eigene Last auf sich nehmen will, obwohl auch die Nachbarstaaten unter den Nebenwirkungen leiden.
Wann wird die Krise überstanden sein? - Noch kein Ende in Sicht
Weil die internationale Großbanken auf ihrer Jagd nach immer höheren Renditen das Risiko aus dem Blick verloren haben, schlittert die Welt wohl in eine jahrelange Rezession. Aber auch die internationalen Währungshüter haben sich auf Risikomodelle verlassen, die nicht in der Lage waren, die bedrohlichsten systemischen Risiken korrekt abzubilden.
Der Internationalen Währungsfond (IWF) Währungsfonds und die Weltbank kommen am Wochenende in Washington zusammen. Laut IWF von heute steht uns der Höhepunkt der Kreditausfälle noch bevor. Der (IWF) rechnet inzwischen mit 1,4 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) Verlusten durch die Finanzkrise und damit weit mehr als bislang befürchtet. Im April hatte der Fond die vermuteten Gesamtverluste durch die Krise noch auf 945 Milliarden Dollar beziffert.
Das Vertrauen in die globalen Finanzinstitutionen und -märkte sei „auf das Schwerste erschüttert“, hieß es in dem Bericht weiter. Die Belastungen des weltweiten Finanzsystems ließen erwarten, dass sich der globale Abschwung beschleunige und eine Erholung hemme.
Angesichts der jüngsten Verschärfung der Krise an den Märkten sei ein Anstieg der zu erwartenden Einbußen wahrscheinlich, hieß es in dem heute veröffentlichten IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte.
Noch keine Ende in Sicht - Internationale Großbanken benötigen auch noch in den nächsten Jahren Milliarden
Nach Berechnungen des IWF benötigten internationale Großbanken über die nächsten Jahre etwa 675 Milliarden Dollar an Kapitalspritzen, um ein moderates Wachstum des privaten Kreditsektors zu gewährleisten. Der IWF ruft in seinem Bericht zu „international einheitlichen und entschiedenen“ Maßnahmen auf, um das Vertrauen in das globale Finanzsystem wieder herzustellen. Sollte dies ausbleiben, drohten ein ungeordneter Abbau von Schulden und zunehmende Kosten für die Realwirtschaft.
Alle Risikokontrollen haben versagt
Nicht nur die Banken, die Bankenaufseher, auch der IWF hat das enorme Risiko für das internationale Finanzsystem bis vor Jahresfrist noch nicht erkannt. Auch hier hat also jede Risikokontrolle versagt. Der IWF ging noch im April 2007 in seinem 'Global Financial Stability Report' davon aus, dass die Hypothekenkrise in den USA kein größeres Risiko für das Finanzsystem darstellten. In einem Worst-Case-Szenario vertrat er die Meinung, dass nur ein geringer Anteil der Mortgage Backed Securities (MBS) betroffen sein würde. Selbst im schlimmsten der betrachteten Fälle, sah der IWF ein jährliches Absinken der amerikanischen Häuserpreise von 12 Prozent über fünf Jahre hinweg, danach hätte es bei Anleihen bester Bonität zu keinen Ausfällen kommen können.
Wir schlittern also in eine jahrelange Rezession, weil internationale Großbanken auf der Jagd nach immer höheren Renditen das Risiko aus dem Blick verloren haben. Und auch die internationalen Währungshüter erkannten nicht, wo das Risiko steckte und verliessen sich zu sehr auf ihre Risikomodelle. Doch wie sich gezeigt hat, waren die Modell auch nicht in der Lage, die bedrohlichsten systemischen Risiken korrekt abzubilden. Die Gier der Geldhändler hat alle Modelle gesprengt.
Können IWF und Weltbank die internationalen Autoritäten werden und am Wochenende eine Strategie vorlegen, wie die Weltwirtschaft diesen finanziellen Sturm überleben kann?
Auf alle Fälle sollten sie ihr neues Modell zur Risikokontrolle vorstellen und aufzeigen, wie die unkontrollierbar gewordenen internationalen Finanzgiganten wieder kontrollierbar werden.
