Freitag, 13. Juni 2008

Was lautet Europas Antwort auf die Energiekrise?


Paris, 13. Juni 2008/hn. Rekordpreise beim Erdöl, teures Benzin, ansteigende Gaspreise: Seit Monaten leidet die ganze Welt unter einer Energiekrise. Wie soll Europa darauf reagieren? Eine gemeinsame Antwort gibt es bis dato nicht, nicht einmal genug Vorschläge und Ideen. Diese kommen jedoch aus der Industrie und verschiedenen Verbänden und Organisationen.
Eine Presseschau.

Spanien

Der portugiesische Wirtschaftsminister Manuel Pinho fordert in der spanischen Tageszeitung El Pais eine europäische Antwort auf die Energiekrise: "[Der steigende Erdölpreis] beeinträchtigt besonders die einkommensschwachen Familien und die anfälligsten Unternehmen. Wir dürfen nicht mit den Schultern zucken und uns abwenden. Es ist notwendig, eine Antwort auf europäischer Ebene zu geben. ... Da wir vor einem strukturellen Wandel stehen, müssen wir mit strukturellen Massenahmen darauf antworten. Wir können nichts daran ändern, dass die Zeiten der billigen Energie vorbei sind. Die Lösung liegt in den erneuerbaren Energien, im effizienten Verbrauch und in der Modernisierung der Transportsysteme. Und im Schaffen von transparenteren Märkten mit stärkerem Wettbewerb." (El Pais - 13.06.2008)


Niederlande

Die niederländische Regierung sieht in der Windenergie eine seriöse Alternative zu fossilen Brennstoffen. "Windmühlen sind Luftschlösser", schreibt dagegen das politische Wochenmagazin Elsevier und fordert ein Ende der Subventionen. "Die Ansicht, dass Windräder eine attraktive Energiequelle sind, mit der die Niederlande ihre Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas substantiell verringern kann, ist eine der teuren Mythen dieser Zeit. ... Windmühlen sind die heiligen Kühe der Umweltbewegung, aber sie können nie mehr als eine marginale Rolle spielen. Im Wind steckt zu wenig Energie, die Technologie ist außerdem fast vollständig ausgereift - nur indem man höher und billiger baut, kann man noch Gewinn erzielen. Der wichtigste Einwand: Oft weht kein Wind (auf dem Land ungefähr vier Monate im Jahr) und dann muss der Strom aus anderen Quellen kommen. Das bringt also nichts. ... Windräder drehen sich nicht durch Wind, sondern nur durch Subventionen." (Elsevier - 13.06.2008)

Polen

Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita plädiert für ein Ende der Subventionierung von Biosprit und eine verstärkte Nutzung von Atomkraft. "Wenn Biosprit nicht subventioniert würde, könnte zum Beispiel der Preis für Mais um 20 Prozent niedriger sein. Ausserdem ist der energetische Nutzen von Biotreibstoffen müßig und deren Einfluss auf die Umwelt nicht ganz ungefährlich. Es wäre besser, Atomkraftwerke zu bauen, die die Öl- und Gasenergie ersetzen könnten und die Energiepreise soweit senken würden, dass Biotreibstoffe ihre Berechtigung verlören. Auch die Lebensmittelpreise würden fallen. Mehr Atomenergie ist weniger Armut." (Rzeczpospolita - 13.06.2008)

Deutschland

Europa ist für das Ende des Ölzeitalters gerüstet, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Die mobile Gesellschaft der Vereinigten Staaten werde jedoch bald zu teuer: "Eine hypereffiziente Metastruktur der Verkehrssysteme Überformte das wilde und entsetzlich große Land ..., doch nun fließen die Ströme dieses Infrastruktur-Organismus immer zäher. Am akutesten ist davon der Flugverkehr betroffen. ... Anders als Europa, das auch in den besten Zeiten seine Kultur der Mässigung nicht aufgibt, muss Amerika nun dem in den letzten zwei Jahrzehnten grassierenden Prassen und Protzen abschwören. Der Wandel vollzieht sich ruckartig. ... Doch Europa hat nicht nur funktionierende Öffentliche Verkehrsmittel, es kann auch bei Bedarf auf seine alten Stadtstrukturen zurückgreifen. Amerika hat sich dem Öl geradezu ausgeliefert. ... Eines Tages wird die Fahrt zur Arbeit sich nicht mehr lohnen. Eine ländliche Kümmerexistenz erwartet die sozial und räumlich Abgehängten. Amerikas heutige Landkarte wurde vom billigen Öl gezeichnet. Nun wird neu entworfen." ( SZ, 13.06.2008)