Der Sprecher von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Brüssel bestätigte eine Melding des slowenischen Kernkraftwerks, nachdem am 5. Juni, 17:38 Uhr Kühlwasser im sogenannten primären System ausgetreten sei. Die Kommission alarmierte über das Warnsystem ECURIE des EU alle 27 Mitgliedstaaten der EU über den Vorfall. Dies ist die erste Meldung über ECURIE seit dessen Einführung vor 21 Jahren.Das slowenische Amt für nukleare Sicherheit in Ljubljana teilte mit, dass nach dem Vorfall damit begonnen worden sei, den nahe der kroatischen Grenze gelegenen Meiler vorsorglich schrittweise abzuschalten. Eine schnelle Abschaltung sei nicht nötig gewesen. Menschen und Umwelt seien nicht gefährdet worden. Es gebe "keinen Grund" für Sicherheitsvorkehrungen außerhalb der Anlage.
Ein Expertenteam von Greenpeace ist am Nachmittag im slowenischen Ljubljana eingetroffen. Nach Gesprächen mit der dortigen Atomaufsichtsbehörde bewertet der Atomexperte von Greenpeace Heinz Smital die Situation um das AKW Krsko als derzeit entspannt. Doch Smital warnt davor, den AKW-Zwischenfall auf die leichte Schulter zu nehmen. Ein Leck im primären Kühlkreislauf sei sehr kritisch. Das Team will sich jetzt direkt vor Ort umsehen.
Es geht nicht nur darum, ob radioaktives Wasser austritt. Die Frage ist, ob der Reaktorkern weiter gekühlt werden kann. Unmittelbar nach dem Abschalten ist die Hitze so hoch, dass es zur Kernschmelze kommen kann. Ich gehe davon aus, dass wir es mit einem sehr sehr kritischen Fall zu tun haben, der berechtigt zu einer europaweiten Warnung geführt hat", sagte der Greenpeace-Experte.
Wie funktioniert ECURIE?
In diesem Zusammenhang soll die Funktionsweise des Warnsystem «ECURIE» der EU zum schnellen Informationsaustausch im Falle eines radiologischen Notstands erläutert werden.
ECURIE wurde 1987 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl beschlossen und sieht
die Information aller 27 EU-Staaten sowie der Schweiz und der Türkei für den Fall vor, wenn ein Mitgliedstaat umfassende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung im Falle eines radiologischen Notfalls beschließt. Das Informationssystem wird aktiviert, wenn sich ein Unfall ereignet, der in signifikantem Maße zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen führt oder führen kann.
Eine Meldung an ECURIE ist jetzt, 21 Jahre nach seiner Gründung, erstmals veröffentlicht worden. Das System besteht nach Angaben einer Sprecherin aus einer Kommissionsangestellten in Brüssel, deren Aufgabe unter anderen darin besteht, eine eintreffende Meldung an alle anderen Staaten weiterzuleiten. Eine Prüfung oder Bewertung ist nicht vorgesehen. Das Informationssystem bezieht sich auf sämtliche nuklearen Gefahren: Auf Kernreaktoren, Entsorgungsanlagen, den Transport von Brennstoffen und Radioisotopen für medizinische Zwecke.
Welche Massnahmen sieht der Katastrophenschutz im Falle eines Störfalls in einem Kernkraftwerk vor?
Bei den grundlegenden Katastrophenschutzmaßnahmen, handelt es sich in erster Linie um kurzfristige Sofortmaßnahmen wie:
* die Aufforderung zum Aufenthalt in Gebäuden zum Schutz gegen die radioaktive Strahlung,
* die Verteilung und Einnahme von Iodtabletten zur Minderung der Strahlenbelastung der Schilddrüse,
* die Evakuierung nach vorbereiteten Plänen zum Einen als vorsorgliche Maßnahme und zum Anderen als Schutz der Bevölkerung, wenn sich eine große Menge radioaktiver Stoffe am Wohnort abgesetzt hat sowie
* die Warnung der Bevölkerung vor dem Verzehr frisch geernteter Lebensmittel und von Frischmilch.
Darüber hinaus gibt es die ergänzenden, großräumig angeordneten Vorsorgemaßnahmen des Bundes nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG).
Das Gesetz sieht zwei Hauptaufgaben vor, nämlich die "Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt", um im Falle von Ereignissen mit möglichen nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen die Strahlenexposition des Menschen und die radioaktive Kontamination der Umwelt durch angemessene Maßnahmen so gering wie möglich zu halten.
