
Unruhen wegen zu hoher Nahrungsmittelpreise in Nordafrika, Lateinamerika und Asien
Laut FAO leiden jetzt schon 854 Millionen Menschen an Hunger und die dramatisch steigenden Nahrungsmittelpreise drohen weitere 100 Millionen Menschen auf allen Kontinenten in den Hunger zu treiben. Das UNO- Welternährungsprogramm berichtet von politischen Unruhen in den letzten Monaten aufgrund des zunehmenden Hungers in 34 Ländern. 280 Millionen Dollar fordert die UN kurzfristig, um das Schlimmste zu vermeiden. Doch wie will man steigenden Lebensmittelpreise und dem ungelösten Hungerproblem in der dritten Welt mittel- und langfristig entgegenwirken?
Agrarsubventionen verhindern den fairen Welthandel
„Subventionen müssen abgebaut werden, denn sie tragen erheblich zur Verschlechterung der Lage in den Entwicklungsländern bei. Die europäische Landwirtschaft basiert auf Malthusianismus, Subventionen und Protektionismus, sie muss wieder nach wirtschaftlichen Kriterien funktionieren und darf nicht länger in der Alimentierung der Bauern bestehen“, so der französische Wirtschaftswissenschaftler Nicolas Baverez am 24. April 2008 in „Le Monde“. Im
internationalen Handel verstärken Agrarsubventionen den Dumpingeffekt zulasten der Entwicklungsländer, was in den schlimmsten Fällen dazu führt, dass die Lebens- und Ernährungsgrundlagen von Kleinbauern gefährdet oder gar zerstört werden. So sind EU-Lebensmittel in Afrika billiger als einheimische Produkte, da sie mit Milliarden von Steuergeldern subventioniert werden, rund 51 Milliarden Euro allein in 2007, deren genaue Verwendung auch noch im Unklaren bleibt. Die EU Bauern können aber ihre Erzeugnisse konkurrenzlos billig auf den Markt werfen.
Auch der Chef der Welternährungsorganisation FAO, Jacques Diouf, kritisiert wiederholt die Agrarpolitik der westlichen Länder, allen voran die EU. Einerseits sei die Nahrungsmittelhilfe für Entwicklungsländer halbiert worden, sagte Diouf gestern in Paris. Besonders in Afrika sei nicht genug in Wassermanagement, Straßenbau und Lagerungsmöglichkeiten investiert worden.
Gleichzeitig hätten die Subventionen für Landwirte in den reichen Ländern die Agrar-wirtschaft in der Dritten Welt unterdrückt. "Dabei gibt es Platz für beide: Landwirtschaft in den Industrieländern und Landwirtschaft in den Entwicklungsländern."
EU-Lebensmittel in Afrika billiger als einheimische Produkte
Durch die Milliardensummen an Subventionen, die allein von der Europäischen Union an ihre Bauern jährlich fliessen, können auf den Märkten der Entwicklungsländer Nahrungsmittel der EU billiger angeboten werden als aus heimischer Produktion. So zeigt ein Beispiel aus Burkina Faso, wie die Landwirtschaft in den AKP Staaten durch die EU vernichtet wird. Milch hat dort gegen Milchpulver aus der Europäischen Union keine Chance: Die EU steckt so viele Subventionen hinein, dass das afrikanische Billiglohnland seine eigenen landwirtschaftlichen Produkte im eigenen Land kaum loswird: Für 20 Liter Milch gibt es drei Euro. Im Vergleich zu einem Liter Frischmilch für 70 Cent kostet das subventionierte Milchpulver aus Europa im Supermarkt gerade mal 30 Cent. Obwohl Burkina Faso das drittärmste Land der Welt ist, liegt der Verkaufspreis für Milchpulver selbst dort unter den Herstellungskosten. Ob jemand zu essen hat, ob die Kinder zur Schule geschickt werden können und ob man überleben kann, hängt in Burkina Faso häufig von der Milch ab.
Europäischen Passivität und planwirtschaftliche Bürokratie
Die EU muss ihre Mitverantwortung an der weltweiten Hungerkrise akzeptieren, und endlich aufhören, ihre Landwirtschaft in planwirtschaftlicher Bürokratie zu verwalten, die der Sowjetunion kaum nachsteht. Dazu zählt vor allem eine mit Steuergeldern hochsubventionierte EU- Landwirtschaft, die so einen fairen Welthandel unterdrückt und zunichte macht. Eine komplett Umstrukturierung der globalen Agrarpolitik tut not. Die nächste Möglichkeit zu einer Kursänderung besteht aber ist erst in fünf Jahren. 2013 – so hat die EU es terminiert - wird es möglich sein, die Landwirtschaftssubventionen der EU zu kürzen. Bis dahin bleibt der jetzige Fünfjahresplan für Agrarsubventionen als eine humanitäre Katastrophe bestehen, die man hätte verhindern können.
