Betrugsverdachts gegen die Chefs von 26 amerikanischen Banken – FBI ermittelt.
Paris, 23. September 2008/hn. Dem finanziellen Desaster der amerikanischen Banken folgt nun das juristische Nachspiel. Wie der TV Sender CNN bekannt gab, sind die Banken Lehman Brothers, Fannie Mae, Freddie Mac und der Versicherer AIG im Visier der amerikanischen Ermittlungsbehörden geraten. Es solle geklärt werden, ob die Unternehmenschefs durch "Desinformationen" das finanzielle Desaster ihrer Unternehmen mitverschuldet haben. Der Sprecher des FBI Richard Kolko bestätigte gegenüber dem Sender ABC die Zahl von 26 verdächtigen Firmen. Namen wollte er jedoch nicht nennen. FBI-Direktor Robert Mueller hatte zuvor mitgeteilt, die Behörde werde prüfen, ob sich einzelne Finanzinstitute Bilanzbetrug, falsche Wertangaben oder Insiderhandel haben zu Schulden kommen lassen.
Wer trägt die Schuld an der Bankenkrise in den USA?
Die durch die Immobilienkrise in den USA verursachte Finanzkrise der amerikanischen Banken und Unternehmen hat die internationale Bankenbranche weltweit bereits über 300 Mrd. $ verloren. Diese Krise dauert nun bereits über 1 Jahr an und noch ist kein Ende in Sicht. Zur Zeit versucht die US-Regierung, ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für maroden Banken durchzusetzen mit denen sie den angeschlagenen Banken ihre faulen Kredite abkaufen will.
Den Bankenausschuss des US-Senats konnte sie mit diesem Konzept bis jetzt noch nicht überzeugen, der sehr ernste Bedenken gegen den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson angemeldet hat.
Was sind die Ursachen für die amerikanische Finanzkrise?
US-Banken warfen Hunderte Milliarden Dollar an Forderungen auf Immobilienkredite auf den Markt, die nicht mehr zurückgezahlt werden können. Dadurch brach der Bankensektor in den USA in sich zusammen und riss viele Banken weltweit mit in den Abgrund. Der Untergang wurde vor allem durch die beiden halbstaatlichen Banken Fannie Mae und Freddie Mac eingeleitet. Doch Mitschuld an diesem Untergang hat mit Sicherheit auch die Politik der jetzigen und vorherigen US- Regierung. Diese hatten die Banken massiv dazu gedrängt, Kleinkredite für Haushalte der unteren und mittleren Einkommschichten zur Verfügung zu stellen. Nach den Kreditvorgaben der Banken allein wären diese Kredite jedoch niemals zugeteilt worden. Doch die beiden Banken sahen sich gezwungen, die Maßgaben der US- Regierungen zu erfüllen und so sicherten sie zeitweise fast 40% aller Subprime-Kredite eines Jahres. Diese Marktverzerrung hat die jetzige Finanzkrise hauptsächlich verursacht. Der angeblich unregulierte private US- Bankensektor wäre niemals so verfahren.
Doch dies ist kein Tatbestand, der zu Ermittlungen des FBI führen wird. Die US- Wähler sollten sich die Äußerungen ihrer beiden Präsidentschaftskandidaten zur Lösung der Finanzkrise sehr genau anhören.
Wie reagiert Europa auf die Krise?
Nicht nur amerikanische Banken, auch europäische Finanzinstitute haben mit Hypotheken Milliarden in den Sand gesetzt. Die immer wieder zitierten schärferen Regularien, denen europäischen Finanzunternehmen bei Kreditvergaben unterliegen, haben dies auch nicht verhindern können. Die EU-Kommission wird den Banken bei der Verbriefung von Krediten künftig wohl strengere Auflagen machen müssen. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy werde zur Reform der Eigenkapitalregeln vorschlagen, dass Banken in der Europäischen Union fünf Prozent der Kreditforderungen, die sie zu Wertpapieren umwandeln und verkaufen, selbst behalten müssen. Ursprünglich hatte McCreevy einen Selbstbehalt in Höhe von 15 Prozent angestrebt.
Doch die Bankenlobby in Brüssel hat sich dagegen vehement gewehrt und lehnt weiter jede Quote kategorisch ab.
